Ein wenig zur Geschichte der Nadelkunst Wann kam man auf die Idee, das Vernetzen von dünnem Garn für die Herstellung von Kleidungsstrücken zu verwenden? Was war wohl das erste Kleidungsstück? Keiner weiß es so genau. Vermutlich war das erste tragbare Maschenwerk der Strumpf. Ob dieser nun in Runden gefertigt war oder eine Verbindungsnaht hatte, auch das bleibt wohl ein Geheimnis. Vermutlich wurde schon vor Jesu Geburt genadelt. Wahrscheinlicher ist, dass das erste Kleidungsstück geknotet wurde. Ähnlich wie das dichte Maschengeflecht der Fischernetze.   Die Kunst der Nadelbindung (Naalbinding ca. 8. Jahrhundert DC) soll bei den Wikingern bekannt gewesen sein, obwohl diese Technik eher mit dem Nähen verwandt ist als mit Häkeln oder Stricken. Die Nadelbindung wurde für die Herstellung von Fäustlingen und Socken verwendet. Im englischen York wurde bei Ausgrabungen eine mit dieser Technik hergestellte Socke aus dem 10. Jahrhundert gefunden. Ob aus der Technik der Nadelbindung das Häkeln oder Stricken entstanden ist, ist unklar. Die ältesten Häkelfunde sind aus dem 15. Jahrhundert und wurden in der Türkei, Indien und Persien entdeckt. Im 16. Jahrhundert war die Häkelspitze in Frankreich und Spanien bekannt. Die Benutzung von zwei Nadeln, also das heute bekannte „Stricken“, soll bereits in der Antike bekannt gewesen sein. War das traditionelle Stricktrikot (Bestandteil der griechischen Theaterkostüme) ein „Strickwerk“ hergestellt mit 2 Nadeln? Nachweislich sollen im 13. Jahrhundert in Italien die Handschuhe des Papstes Clemens V. entstanden sein. Aus dem Jahr 1519 wird über gestrickte Strümpfe in Nottingham berichtet (heute noch ein Zentrum der Strickindustrie). Seidenstrümpfe sollen um 1530 für Heinrich VIII. in Venedig oder Mailand entstanden sein. Bis zum 16. Jahrhundert galt die Kunst des Strickens als eine Wissenschaft, die nicht nur von Frauen ausgeübt wurde, sondern auch von Männern. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurde das Stricken zunftpflichtig. Die erste handbetriebene Flachstrickmaschine wurde 1863 in Amerika erfunden. Ende 1860 entstanden auch in Deutschland und Frankreich die ersten Strickmaschinenfabriken. Musterstrickmaschinen, auf denen die Herstellung gemusterter Ware möglich war und Maschinen für mehrfarbige Jacquard-Farbmuster gab es ab 1879. Motorisiert wurden die Strickmaschinen Anfang 1880. Die damaligen Maschinen dienten überwiegend der Strumpfherstellung und waren im Vergleich zu den heutigen Maschinen wesentlich schmaler. Das sollte sich jedoch bald ändern. Durch die Industrialisierung verlor die Bedeutung der Strick- und Häkelkunst in „Heimarbeit“ immer mehr an Bedeutung. Stricken wurde zum Hobby. In den 60er Jahren besann man sich wieder dieser Kunst und zur „Flower Power Zeit“ entstanden skurrile bunte Röcke, Westen, Pullover und Schlapphüte. Ich besinne mich insbesondere dieser Zeit und konzentriere mich auf die Ausarbeitung von Maschenanfertigungen der individuellen Art. Eben nicht unbedingt wie von der Industrie und der Mode vorgeschrieben.