Garnkunde Seide, Synthetik, Wolle? Das Angebot ist riesig und die Auswahl fällt wirklich schwer. Für Ihr Strickstück sollten Sie sich über die Beschaffenheit des Garns informieren, damit Sie nicht später beim Tragen oder Pflegen unliebsame Überraschungen erleben: Baumwolle ist eine Naturfaser. Aus den Saamenhaaren der Sträucher wird die Baumwolle gewonnen und versponnen. Baumwolle ist hautsympathisch, weich und strapazierfähig. Sie filzt nicht und kann bis zu 90 Grad gewaschen werden. Gekämmte Baumwolle (vor dem Verspinnen gekämmt) ist weicher und hat ein schöneres Aussehen. Durch Mercerisieren (eine Behandlung in Natronlauge) erhöht sich die Festigkeit der Baumwolle. Sie schrumpft kaum noch und erhält ein seidenglänzendes Aussehen. Beim Gasieren (die Baumwolle wird über eine Gasflamme geführt) werden abstehende Fasern abgeflammt. Kamelhaar Die feine Kamelwolle stammt überwiegend vom zweihöckrigen Kamel (Trampeltier). Seine Heimatländer sind die Hochebenen Westchinas und die äußere  Mongolei. Gegen das raue Klima und die extreme Kälte schützen sich die Tiere durch das hochfeine Unterhaar ihres Fells. Die Kamele werden im allgemeinen nicht geschoren, sondern werfen im Frühjahr ihre Wolle büschelweise ab. Diese wird nach Feinheit sortiert. Zum Stricken verwendet man nur das weiche Unterhaar. Es ist leicht, wärmt gut, kann aber bei empfindlichen Personen als kratzend empfunden werden. Kaschmir (Cashmere) ist die wertvollste aller Wollarten. Sie stammt von der Kaschmirziege, die im mittelasiatischen Hochland zuhause ist. Die Wolle wird im Frühjahr durch Auskämmen und Auszupfen gewonnen. Das Haarkleid der Kaschmirziege besteht aus einer sehr feinen Flaumwolle, die von Granenhaaren überdeckt ist.  Da die Gewinnung dieser sehr feinen, gut wärmenden Wolle sehr aufwendig ist, handelt es sich beim Kaschmir um einen echten Luxusartikel. Kaschmir findet man auch in Mischungen mit feiner Schafwolle und anderen Edelgarnen. Modal ist wie Viskose eine aus Zellulose oder Zelluloseacetat hergestellte Chemiefaser. Durch veränderte Spinnbedingungen wird die Lage der Faser verändert und die Eigenschaften von Modal gegenüber Viskose verbessert. Modal hat einen glatten Faden, eine höhere Festigkeit und eine gute Saugfähigkeit. Modal wird meistens zusammen mit anderen Fasern verarbeitet, z. B. mit Baumwolle, Wolle, Leinen oder Polyester. Polyacryl ist eine Kunstfaser mit vielseitiger Verwendung. Polyacryl hat eine wollähnliche Eigenschaft und wegen ihrer Fülligkeit wärmt sie im Winter und ist luftig im Sommer. Polyacryl ist sehr formbeständig, filzt und läuft nicht ein. Polyacrylfasern werden unter vielerlei Markennamen angeboten: Dralon, Dolan, Acrilan, Courtelle. Sie ist eine preiswerte Alternative zu Wolle und in Mischungen mit Wolle und anderen Fasern erhältlich. Die Faser ist jedoch schmutzempfindlich. Sie darf nicht heißer als mit 30 Grad gewaschen werden. Polyester ist eine sehr stabile, scheuerfeste und formbeständige Faser. Sie dient in Strickgarnen die besonders strapazierfähig und haltbar sein müssen als verstärkende Beimischung. Strumpfgarne enthalten meist einen Anteil Polyester. Aufgrund der elektrostatischen Aufladung neigt diese Faser zum raschen Verschmutzen. In der Wäsche ist diese Faser unempfindlich. Ramie, Jute und Sisal Diese Naturfasern werden seltener als Materialien für Textilien verwendet. Nur Ramie hat eine gewisse Bedeutung erlangt. Die Ramiefasern besitzen eine höhere Reißfestigkeit als alle anderen Pflanzenfasern, wobei ihre Elastizität und Dehnung gering ist. Ramie findet man in Mischungen mit Wolle, Seide oder Baumwolle. Seide ist eine feine Textilfaser, die aus den Kokons der Seidenraupe gewonnen wird. Nach Art der Gewinnung unterscheidet man zwischen Maulbeerseide, die sich aus der Zucht von Raupen ergibt, die sich von den Blättern des Maulbeerbaums ernähren (Serikultur), und Wildseide (Tussahseide), für deren Gewinnung die Kokons bereits geschlüpfter Schmetterlinge verwendet werden. Bei der Gewinnung von Maulbeerseide werden die Raupen durch das Eintauchen des Kokons in kochendes Wasser oder über Wasserdampf getötet, danach kann der Seidenfaden abgewickelt werden. Durch den langen Seidenfaden kann eine glatte Textiloberfläche entstehen. Bei der Tussahseide lassen sich nur kurze Fäden gewinnen, da der geschlüpfte Schmetterling ein Loch im Kokon hinterlässt. Wildseidengewebe hat dadurch eine charakteristisch unregelmäßig-noppige Oberfläche, die durch Fadenverdickungen entsteht. Viskose ist eine Chemiefaser aus zellulosehaltigen Abfallprodukten wie Holz, Stroh und Baumwolle. Zur Faserherstellung wird die Zellulose gelöst und regeneriert (erneuert), wobei die Faserstücke kürzer werden. Aus diesem Grund hat die Viskose eine geringe Festigkeit (siehe Modal). Viskose ist matt glänzend und ähnelt in ihrem Aussehen stark der Seide. Sie hat einen weichen Griff, ist wenig elastisch, hautsympathisch und knittert stark. Viskose wird viel in Beimischungen mit anderen Garnen verwendet, häufig mit Baumwolle. Wolle Als Wolle bezeichnet man insbesondere die weichen Haare des Fells von Schafen (Schafwolle) oder Ziegen (Alpakawolle). Die Haardecke der wildlebenden,  wolltragenden Tiere besteht aus dem gröberen, steiferen Oberhaar und dem meist darunter liegenden feineren Unter- oder Flaumhaar. Bei den edlen, hochgezüchteten Schafrassen (z.B. Merinos) ist nur das feine Unterhaar vorhanden. Lambswool ist die Wolle von jungen, erstmals geschorenen Tieren. Sie ist zwar weich und fein, hat aber weniger stabile und kürzere Fasern und ist deshalb meist weniger strapazierfähig. Reine Schurwolle ist die neue Wolle von gesunden, lebenden Tieren und ist die wertvollste. Wolle kann verfilzen und muss per Handwäsche gereinigt werden. Verfahren wie Superwash bedeutet, dass die Wolle durch eine Behandlung mit Kunstharz filzfrei und somit maschinenwaschbar gemacht worden ist.